Wir zeigen Ihnen was eine Hacke ist!

Die Reeteindeckung.
Sonnabend, 3.12.2011-13.00Uhr.
Es ist so weit, der Reetdachdecker kann kommen. Alle vorbereitenden Arbeiten sind erledigt, so dass wir das sagen können. Vorausgesetzt das Wetter spielt mit, wird in der nächsten Woche begonnen das Dach neu zu einzudecken.
Montag 5.012.2011-8.00Uhr.
Ideale Wetterbedingungen sehen anders aus: ein Blitzschlag am Morgen legte ein Teil der Ortschaft ins Dunkel. Auch der Himmel wollte sich nicht erhellen. Stürmische Böen und Schauer, zunächst noch mit Regen, später mit Hagel und Schnee, für kurze Momente auch mal ein Sonnenstrahl.
Unser Reetdachdeckermeister stand mit seinen Mitarbeitern pünktlich vor den Toren der Alten Kate. Man lud Dachlatten und eine Menge langer Leitern sowie Werkzeug ab. Es wurde die Wetterschutzplane gelöst und nach oben gerollt. Schon fielen die ersten der alten Dachlatten und altes Reet wurde von Dach gezogen und in den bereitstehenden Container verbracht.
Bei den ärgsten Schneeschauern wurde die Plane wieder über die Dachfläche gezogen und verankert.
Von der Traufe ausgehend wurden die neuen Sparren mit Latten beschlagen, auf denen das Reet in den nächsten Tagen geheftet wird.
Am Nachmittag bekamen wir Besuch vom Amt für Denkmalpflege. Frau von Malottky (Amt Kreis) und Herr Dr. Köster (Amt Land) besichtigten die Baustelle zusammen mit unserem Vorstand. Voll zufrieden mit den Arbeiten und den Fortschritten am Bau äußerten sie sich in der nachfolgenden Besprechung.
Im Bild v. l.: Dr. Köster, Frau v. Malottky, H.-G. Ihme und W. Broocks im Schneetreiben vor der Alten Kate.
Was nun die Hacke betrifft die wir Ihnen zeigen wollen, sie wird erkenntlich, wenn das Reetdach fertig eingedeckt ist. Eine Hacke ist ein Höhensprung im Dach. Das heißt, vor und hinter der Hacke ist die Höhe der Außenmauer zwischen Scheunenteil und Wohnteil des Gebäudes unterschiedlich, in unseren Fall um ca.25cm. Hierdurch bekommt auch das Dach einen Höhensprung (Hacke) an der Traufseite die zum First hin ausläuft.
Mittwoch, 7.12.2011.
Also schlimmer geht’s nimmer. Bei trockenem Wetter angefangen wechselten sich die trockenen Phasen mit den feuchten (prasselnder Regen) ab. Wobei die trockenen Phasen immer kürzer wurden, und die feuchten im dauerhaften Schneetreiben endeten. Bei den stärkeren Niederschlägen wurde jedesmal auch die Witterungsschutzplane heruntergezogen. Das neue Reet sollte doch trocken gehalten werden. Danach musste die Plane zum Arbeiten abermals gerafft werden. Nach dem Mittag gab unsere Dachdeckerkolonne diese Spielchen völlig durchnäßt auf. -Wie sehr haben wir uns die trockenen Wochen vom November zurückgewünscht!
Donnerstag, 8.12.2011
Klarer Himmel, Temperaturen in Plusbereich – ideales Wetter für die Reetdachdecker. Ein gutes Stück voran sind sie gekommen. Auf der Westseite wurde in mehreren Meter Höhe die volle Länge der Alten Kate der Reetbelag auf die neue Lattung genäht. Dabei wurden auch die zwei Heckschuren über den Toreinfahrten sichtbar.
Hacke? -damit wird es bei unserem Bau nichts! Da bin ich wohl einer Fehlinformation aufgesessen. Eine Hacke entsteht erst, wenn bei dem Sprung der unterschiedlichen Mauerhöhen vor und hinter der Hacke sich auch unterschiedliche Dachneigungen ergeben. Das ist bei der Alten Kate nicht der Fall; die Dachlatten wie auch das Reet laufen von vorn bis hinten über die ganzen 20m in einer Fläche durch. Also, tut mir leid, bei der Alten Kate wird es nichts mit einer Hacke.
Ich schreibe hier immer nur über die Reetdacharbeiten. Damit werde ich den Männern im Innern der Kate nicht gerecht! Da sind schließlich auch noch ständig mindestens drei Leute eifrig damit beschäftigt die nötigen Vorarbeiten für die Dachdecker auf der Ostseite des Gebäudes zu leisten. Die Stahlträger benötigen Holzauflagen im Querschnitt 6cmx12cm (damit auf diesen wiederum die Lattung genagelt werden kann). Die Holzauflagen lassen sich nicht so einfach auf die Träger legen. Die Altsparren wie auch die Altlatten sind gewachsene Hölzer. Und die beugen sich nun mal nach oben oder auch unten durch. Um die Holzauflagen einzufügen, müssen die nach unten stehenden Partien nach oben gezwungen werden! -Eine Knochenarbeit. Anschließend ist zu Bohren und zu Schrauben um die Auflagen auf dem Stahlkorsett zu fixieren.
Mittwoch, 14.12.2011
Heute wird am Dach weiter gearbeitet. Ein Mann fehlt leider, er liegt mit einer Lungenentzündung zu Bett. Von dieser Stelle aus gute Besserung! Auch für die anderen drei Männer auf dem Dach war Witterungsbedingt um 11 Uhr Schluss. So richtig scheint die Reeteindeckung nicht in Gang zu kommen. Es ist Dezember: Regen- oder Schneefälle, Sturmtiefe wechseln sich ab, und die kurzen ruhigen Phasen werden genutzt. Immerhin zur Hälfte ist die Westseite geschafft.

Innenarbeiten: Knotenpunkt am Barggerüst. An dieser Stelle mussten wir tätig werden. Der nach links oben abgehende Sparren wurde um ca. 20cm gekürzt, um ihn nicht über den First hinaus kragen zu lassen. Mit zwei Bolzen wurde er anschließend fixiert.
Freitag, 16.12.2011
…Da war’n es nur noch zwei. Die Zahl unserer Dachdecker ist bei Ihrem Einsatz auf zwei geschmolzen. Angefangen waren acht. Am zweiten Tag und weiteren Tagen wurde zu viert gearbeitet. Durch die ungesunde Witterung sind jetzt zwei Männer verblieben. Wir sind dennoch zuversichtlich, dass die beiden bis Weihnachten die Westseite der Alten Kate fertigstellen können.
Bild: Reetgarben fliegen durch die Luft.
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Freitag, 23.12.2011
Das Dach der Westseite der Alten Kate ist fertig.
Zu unserer Freude konnten die Arbeiten an diesem Dachteil trotz widrigster Umstände wie vereinbart abgeschlossen werden. Die letzten Arbeiten für die Reetdachdecker waren das Abdichten der Firstkante und der Giebelfronten mit Planen gegen Niederschläge. Dann konnten sie in die verdienten Weihnachtsfeiertage. Erst im Neuen Jahr wird bei anhaltend guter Witterung mit der Eindeckung fortgefahren werden.

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